So falsch wie echt

Auch eine Totalprothese darf schön sein!

Auf hohem technischen und medizinischen Niveau hergestellter Zahnersatz ermöglicht dem Patienten verloren gegangene Sprache und /oder Kaufunktion wiederherzustellen.
Trotz so viel vorangegangener Mühe bleibt dem Betrachter nicht verborgen, dass sein Gegenüber „neue Dritte„ hat. Die meisten Prothesen die ich in den vielen Jahren als Zahntechnikermeister gesehen habe, besitzen im Grunde fast alle dasselbe uniforme Aussehen.

Konfektionszähne in einfarbig rosa Acryl.

Als Urlaubsprothese oder als Zweitprothese ist das sicherlich in Ordnung.

Aber sonst: Ein weiß-rosa Einheitslook. Da geht noch mehr.

Beim Öffnen des Mundes zeigt der Mensch als erstes seine Zähne. Wenn er denn auch etwas zu Lachen hat, werden auch große Partien des Zahnfleisches sichtbar. Spätestens jetzt wird der Zahnersatz entlarvt.

Was kann man dagegen tun?

  • Oft werden vom Patient sofort zu Anfang „Bitte schöne helle Zähne“ gewünscht.
    Folge: Die Zähne sind oft zu hell, passen nicht in das Gesicht des Patienten und leuchten bis auf die andere Straßenseite.
  •  „Bitte innen und außen schön glatt“…. damit man die Dritten auch schön und schnell wieder sauber bekommt.
    Folge: Die Prothesenoberfläche wirkt unnatürlich. Die Verarbeitung von Speisen im gesamten Mundraum läuft nicht wirklich „rund“. Die Lichtreflexionen sind zu regelmäßig. Unnatürlich bedeutet immer ein bleibendes Fremdkörpergefühl, an das man sich irgendwann, irgendwie gewöhnt.

Trotz einwandfrei arbeitenden Prothesen ist der Patient „ irgendwie nicht richtig zufrieden“  Es sind nicht seine „Dritten“

Mit ein wenig mehr Liebe zum Detail kann man hier sehr viel erreichen

  • Auswahl einer geeigneten typgerechten zum Restgebiss passenden Zahnfarbe, Form und Größe.
  • Aufstellung der Frontzähne natürlich , alters- und typgerecht nach zahnmedizinischen und zahntechnischen
    Regeln (keine Klaviertasten oder Lattenzaun)
  • Individualisierung der fabrikmäßig hergestellten Ersatzzähne an vorhandene natürliche Zähne in Form und Farbe, ebenfalls alters- und typgerecht.

Gleiches gilt auch für die Gestaltung des Zahnfleisches an Innen- und Außenseiten, der sogenannten „rosa Ästhetik“.  Nahezu jeder Bereich der Schleimhaut besitzt eine andere, typische Farbe. Die sich nicht in einem einfarbigem Stück Rosa wiedergeben lässt. Ein Blick in den Spiegel wird das bestätigen. Durch Verwendung verschiedener Farbtöne gelingt es im Labor dieses natürliche Farbspiel nachzubilden. So verschwimmt optisch der Übergang zwischen eigenem und künstlichem Zahnfleisch.

Besonderes Augenmerk der individuellen Gestaltung des Gaumens

Wir schmecken mit unserer Zunge. Dort sitzen auch etwa 75% der Geschmacksknospen. Der Rest verteilt sich auf Gaumensegel, Nasenrachen, Kehlkopf und die obere Speiseröhre.
Durch die Abdeckung des Gaumens mit einer Totalprothese oder eine Modellgussprothese wird deshalb das Geschmacksempfinden beeinträchtigt. Hierzu gehören auch das reduzierte Temperaturempfinden und das Fühlen der Speisen im Mund. Die „Gaumenfreuden“ sind spürbar vermindert. Die Rauigkeiten im Oberkiefer, die jeder mit der Zunge ertasten kann, sind die sogenannten Gaumenfalten. Sie haben die Aufgabe mit der Zunge die Speisen im Mund weiter zu verteilen und den Zähnen zuzuführen. Diese verhindern auch, dass Teile des Speisebreis eventuell nach draußen geschleudert werden. Auch reinigen und massieren sich Gaumen und Zunge aufgrund ihrer Oberfläche 24 Stunden am Tag gegenseitig, verhindern Beläge und schlechten Atem. Deshalb ist es sinnvoll, die natürlichen Gaumenfalten in einer Prothese nachzubilden.*
Wie kommt es dazu, dass viele Patienten sich nicht mit dem obigen Design anfreunden können?
Der Grund liegt wohl im üblichen Werdegang den eine Prothese durchläuft: Der Vollprothese geht immer eine viele Jahre lange Behandlung mit Kronen und Brücken voraus , gefolgt von partiellem Ersatz. Irgendwann, nach zahlreichen Erweiterungen, der zweiten oder dritten „Stahlplatte“ wird diese letzte dann zu einem Provisorium erweitert / umgearbeitet. Und ich bin fest der Meinung, dass hier der Grund liegt. Nach langer Tragezeit dieses Provisoriums, außen glatt, innen glatt, will sich der Patient nicht an eine Prothese gewöhnen, die außen „so Wellen hat und innen an der Zunge so buckelig ist “. Und ein natürliches Aussehen? – Ach nee, brauch ich nicht.
Deshalb verhindern natürlich gearbeitete Provisorien, dass sich später ein richtiger Quantensprung zur individualisierten Totalprothese zeigt. Das hier gesagte gilt selbstverständlich auch für die Gestaltung von partiellem Ersatz.

Unsere Patienten sind uns dafür dankbar und auch bereit, den Mehraufwand zu honorieren.
Begeisterte Patientinnen und Patienten, zufriedene Zahnärzte und ein wachsender Kundenstamm sind nur einige positive Erfahrungen, die ich aus dieser Erkenntnis heraus sammeln durfte.

Indizes

Individualität, idealisierte Frontzähne, rosa Ästhetik, individualisiertes Zahnfleisch, Gaumenfalten, Gaumenfaltenschablonen

*Alternative: Gaumenfreie Implantat Versorgung durch eine (bedingt) herausnehmbare Brücke

 

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